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Personal/Hintergrund  

Edi Eckstein: "Ohne meine Kids hätte ich das nicht geschafft"

Nach einem Herzinfarkt startete der Trainer ein neues Leben und beim TSV Bobingen voll durch

Edi Eckstein auf einem Vorher-Nachher-Foto und mit seinen Jugendlichen

Als Eduard Eckstein am 16. September 2019 seine Terrasse betritt und sich eine Zigarette anzündet, scheint etwas nicht zu stimmen. "Schmeckt heute irgendwie komisch", wirft Eckstein seiner Frau noch zu. Dann: plötzlicher Kaltschweiß, Schmerzen in der Brust, Herzinfarkt. Sein heutiger Doppelpartner und Unterstützer Dominik Hartmann fährt ihn in die Klinik. Eckstein - damals gerade mal 37 - wird nur kurz behandelt, die Ärzte attestieren ihm eine eigentlich gute Grundkonstitution mit einem starken Herzen. Aber er müsse sofort seinen Lebenswandel umstellen. Zu diesem Zeitpunkt wiegt Eckstein 145 Kilo. Auch starke Medikamente infolge einer Darmkrebserkrankung hatten für die Gewichtszunahme gesorgt.

Rückblende: 1995 zieht Eduard Eckstein nach Deutschland, absolviert mit 13 Jahren beim TSV Bobingen (Schwaben-Nord) ein Schnuppertraining. In Bobingen gefällt es ihm zunächst nicht, erst beim TSV Königsbrunn unter seinem späteren Trainer-Vorbild Karlheinz Scheuriger blüht er auf, spielt sich schnell an Position eins in der Jugend-Bezirksliga-Mannschaft. Nach Stationen beim PSV Königsbrunn, längeren, beruflich bedingten Tischtennis-Pausen kehrt Eckstein über Schwaben Augsburg 2016 nach Bobingen zurück. Dort liegt die Nachwuchsarbeit ziemlich brach. "Es gab nur noch zwei Mannschaften und vier Kinder, aber keine Trainer, die wirklich Zeit hatten, sich zu kümmen."

"Edi ist ein Glücksfall für uns"

Abteilungsleiter Daniel Abbenseth erinnert sich: "Wir hatten Mitte bis Ende der 2000er Jahre zeitweise über 50 Kinder im Jugendtraining und waren damit einer der größten Tischtennisvereine in der Region. 2013 war es uns dann leider nicht mehr gelungen, geeignete Nachfolger für unseren Jugendleiter zu finden. Wie schnell aus fast 50 Kindern im Training nur noch ein kleiner Haufen bleibt, haben wir am eigenen Leib gespürt. Als Edi 2016 kam, standen wir mit der Jugendarbeit mit dem Rücken zur Wand", sagt Abbenseth. Gemeinsam mit den verbliebenen Trainern baut Ecktstein wieder etwas auf, absolviert die C-Lizenz. In seinem ersten Jahr erreicht die Jugendmannschaft als Abstiegskandidat die Meisterschaft, gewinnt den Bezirkspokal und wird Zweite beim Verbandsbereich. Mittlerweile spielen 37 Kinder/Jugendliche beim TSV, sie werden in drei Leistungsgruppen unterteilt, die vier Jugendteams sind alle vorne mit dabei. Eine Bambini-Gruppe freitags unter Christian Emesz sorgt für Talente-Nachschub. "Was Edi aus der schwierigen Situation gemacht hat, ist einfach fantastisch und macht mich wahnsinnig stolz", sagt Abbenseth. Stetig geht es bergauf - bis Eckstein die Herzinfarkt-Diagnose erhält. "Arbeit als Selbstständiger, Familie und der Verein, das war sehr stressig geworden und hat sich negativ auf meinen Lebenswandel ausgewirkt", erzählt Eckstein, der keiner ist, der nur 90 Prozent geben möchte. Als Eckstein dem Verein mitteilt, dass er mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus liegt, gehen bei Abteilungsleiter Abbenseth viele Gedanken durch den Kopf. 

Leben komplett umgekrempelt: "Wenn der Wille da ist, kann man Wunder schaffen"

Nach dem Infarkt krempelt Eckstein sein Leben um. Keine Zigaretten, keinen Alkohol, keine Süßigkeiten, stattdessen: Sport, Sport, Sport. Neben Tischtennis vor allem Laufen und Rennradfahren. Er nimmt 55 Kilo ab. "Sport habe ich schon immer gemacht, ich war 18 Jahre lang Thai-Boxer. Trotzdem: Ohne meine Ehefrau Alexandra und ohne Kids in Bobingen hätte ich das nicht geschafft. Sie haben mich dazu gebracht, so einen Biss zu haben."

Wie stark die Verbindung ist, zeigt sich daran, dass bei den Kindern Tränen fließen, als Eckstein erklärt, gesundheitlich vielleicht kürzertreten zu müssen. "Ohne dich macht es für uns auch keinen Sinn", klagen die Kinder. Ihr Coach hat abseits des Tischtennis ein offenes Ohr, das Vertrauen ist groß. Edi Eckstein kann aber sein Pensum weitermachen. "Wenn der Wille da ist, kann man Wunder schaffen", betont er. Daniel Abbenseth sagt: "Wie Edi seinen Lebensstil geändert hat ist bewundernswert. Er hat zwar viele Kilos verloren, aber zum Glück ist er immer noch der Gleiche und weiterhin so engagiert wie vor vier Jahren. Edi ist ein Glücksfall für uns!"

Drei seiner ehemaligen Schützlinge spielen mittlerweile bei den Herren. "Zwei wollen auch den C-Trainer machen und mich dann im Training unterstützen." Eckstein selbst, ein unorthodoxer Angriffsspieler mit langen Noppen, will noch die B-Lizenz absolvieren. Sein Steckenpferd ist das Spiel gegen und mit Material. Bobingens Nachwuchs ist da meist gut gerüstet.

"Wir bleiben weiterhin am Ball"

Die Nachwuchsmannschaften in Bobingen könnten demnächst von vier auf acht Mannschaften anwachsen, so Eckstein. Trotz Corona. Über Video-Telefonie, WhatsApp-Gruppe, Online-Training und kleinen Sport-Challenges versucht er Kontakt zu halten. Auch mit den Eltern ist er im regen Austausch. "Das ist ganz wichtig." Der Zustrom an Kindern für den TSV Bobingen sei durch die Mund-zu-Mund-Propaganda gekommen, aber auch durch Eltern untereinander. "Wir haben außerdem viele Schnupper-Aktionen gemacht, bieten kostenlose Trainingsstunden an und machen in Nicht-Corona-Zeiten auch abseits des Tisches viel, zum Beispiel Ausflüge oder eine Übernachtung in der Halle", sagt Eckstein. Sein Weg beim TSV Bobingen ist noch lange nicht zu Ende. "Die Jugend ist die Zukunft des Vereins, ohne sie stirbt ein Verein aus. Wir bleiben weiterhin am Ball", verspricht er. 

Abteilungsleiter Daniel Abbenseth: "Die Jugendarbeit ist essentiell für uns als Abteilung. Man kann sich zwar einen externen Trainer holen, der zum Beispiel ein Leistungstraining anbietet. Aber jemanden für die Basisarbeit kann man nicht einfach holen und findet man nicht an jeder Ecke. Basisarbeit ist mehr als nur Training geben."

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